Wertewandel: Einst war die SPD Beschützer und Förderer der Soldaten, heute ist sie deren Ärgernis

Der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt wäre sehr verärgert, wüsste er um das Verhalten seiner Genossen gegenüber unseren Soldaten und dem Umgang mit der Bundeswehr als reine Verfügungsmasse.

Schon das Postengeschacher um den Wehrbeauftragten des deutschen Bundestages war ein peinlicher Skandal, ein Trauerspiel und der Wichtigkeit und Würde des Amtes schlicht abträglich. Der kompetente und über Parteigrenzen hinweg geschätzte Genosse Hans-Peter Bartels wurde im SPD-internen Postengeschacher ausgestochen. Die Bundeswehr wird von der SPD als reine Verfügungsmassen für Versorgungsposten von SPD-Genossen angesehen. Der Anwalt der Soldaten ist zum Abstellgleis für Genossen degradiert.

Als Oberstleutnant der Bundeswehr weiß ich zu schätzen, was Helmut Schmidt für die Soldaten tat. Wegweisende Reformen wurden von ihm angegangen. Eine der bedeutendsten ist wohl die Schaffung der Universitäten der Bundeswehr. Heutzutage vermutlich ein Vorschlag, der bei der SPD zum Parteiausschluss führen würde. Zumindest würde er damit aber nicht mehr Kanzlerkandidat, da zu Soldaten-freundlich.

Auslandseinsätze sind bei der SPD von heute dafür umso mehr vorstellbar und auch Realität. 2001 war es die SPD unter Kanzler Gerhard Schröder, die unsere Soldaten nach Afghanistan entsandte. Der Krieg dauert bis heute. Ein Ende ist nicht in Sicht. Die Mahner von damals sollten damit Recht behalten. Der Krieg in Afghanistan hat bis heute 59 Soldatenleben gekostet. Jedes einzelne Schicksal ist tragisch und erschreckend. Ein würdiger Umgang mit den gefallenen Kameraden sollte selbstverständlich sein. Er ist es aber leider nicht für alle. In einer unfassbaren Kaltherzigkeit wollte die SPD in Bielefeld dem Gedenken des im Afghanistaneinsatz gefallenen Kameraden Martin Augustyniak einen Strich durch die Rechnung machen. Die Benennung eines kleinen Areals im Bielefelder Stadtteil Quelle nach Martin Augustyniak. Der in Quelle aufgewachsene Hauptgefreite Augustyniak war bei dem Karfreitagsgefecht am 2. April 2010 bei Isa Khel in der Region Kunduz bei einem Hinterhalt der Taliban gefallen.

Die SPD, die diese Soldaten in den Krieg entsandte, will ihnen zugleich nicht gedenken. Die Soldaten, die, um den ehemaligen SPD-Verteidigungsminister Peter Struck zu zitieren, „die Freiheit am Hindukusch verteidigen“, will man bei der SPD vergessen. Mit dem Soldaten und den Konsequenzen der eigenen Politik will man nichts zu tun haben. Die Bundeswehr, die Sozialdemokraten wie Helmut Schmidt sehr viel verdankt, die von diesen gefördert und beschützt wurde, kann in der SPD von Saskia Esken nur noch auf Kaltherzigkeit stoßen.

Auf politischen und medialen Druck hin hat die SPD in Bielefeld eingelenkt und ihren Widerstand aufgegeben. Es ist bedauerlich, dass diese Selbstverständlichkeit überhaupt erstritten werden musste.

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