Anfrage und Antwort: Die Notwendigkeit, Arzneimittel wieder in Europa herzustellen

Im folgenden Text finden Sie meine Anfrage zum Thema “Die Notwendigkeit, Arzneimittel wieder in Europa herzustellen” und die Antwort der EU-Kommission.

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Anfrage zur schriftlichen Beantwortung E-002499/2020 an die Kommission.

Der durch die COVID-19-Pandemie verursachte Gesundheitsnotstand, von dem der gesamte europäische Kontinent betroffen ist, hat die besorgniserregende Abhängigkeit der Europäischen Union und ihrer Mitgliedstaaten von der außereuropäischen Arzneimittelproduktion, insbesondere aus der Volksrepublik China, deutlich gemacht.

Aus einer Reihe sorgfältig recherchierter Artikel, die in der französischen Zeitung Le Figaro veröffentlicht wurden, geht hervor, dass China etwa 80 % der von unserer pharmazeutischen Industrie verwendeten Wirkstoffe produziert und gleichzeitig zwischen 80 % und 90 % der für die Herstellung dieser Wirkstoffe benötigten Rohstoffe liefert.

Die Hauptursache für diese Situation sind ungezügelte Standortverlagerungen nach China und massives Sozialdumping, das von den chinesischen Behörden selbst gefördert wird.

  1. Kann die Kommission darlegen, welche finanzielle Unterstützung den EU-Herstellern gewährt wird, um die Abhängigkeit von China in naher Zukunft zu verringern und die medizinische und pharmazeutische Selbstversorgung der Europäischen Union und ihrer Mitgliedstaaten zu fördern?
  2. Kann die Kommission erläutern, welche dringenden Maßnahmen sie zu ergreifen gedenkt, um pharmazeutische Produktionslinien innerhalb der EU zu fördern, um die Arzneimittelversorgung zu diversifizieren, da medizinische und pharmazeutische Produkte von grundlegender strategischer Bedeutung sind, wie die derzeitige Gesundheitskrise leider gezeigt hat?

Antwort der EU-Kommission

DE
E-002499/2020
Antwort von Stella Kyriakides
im Namen der Europäischen Kommission
(2.9.2020)

Die Kommission leistet derzeit keine finanzielle Unterstützung für die Herstellung pharmazeutischer Wirkstoffe in der EU. Die pharmazeutische Industrie ist gesetzlich verpflichtet, eine ausreichende Versorgung zu gewährleisten. Die EU exportiert mehr Arzneimittel, hauptsächlich teurere innovative Arzneimittel, als sie importiert. Im Jahr 2019 lag der Handelsüberschuss bei 109 Mrd. EUR. Die Kommission prüft jedoch derzeit verschiedene Möglichkeiten, um gegen die übermäßige Konzentration bei einer begrenzten Zahl von Herstellern bestimmter wesentlicher Wirkstoffe, die für die Herstellung wichtiger Arzneimittel erforderlich sind, vorzugehen.

Die Frage der Widerstandsfähigkeit der pharmazeutischen Wertschöpfungskette und der Sicherheit der Arzneimittelversorgung wird in der künftigen EU-Arzneimittelstrategie[1] in Synergie mit anderen Strategien und Maßnahmen der Kommission, insbesondere der neuen Industriestrategie für Europa[2]‚ behandelt. Die im Rahmen von COVID-19 gewonnenen Erkenntnisse werden dabei einbezogen. In diesem Zusammenhang wird die Kommission prüfen, wie die EU-Finanzierungsprogramme mobilisiert werden könnten.


[1] https://ec.europa.eu/info/law/better-regulation/have-your-say/initiatives/12421-Pharmaceutical-Strategy-Timely-patient-access-to-affordable-medicines

[2] Mitteilung der Kommission an den Rat, das Europäische Parlament, den Europäischen Rat, den Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschuss und den Ausschuss der Regionen: Eine neue Industriestrategie für Europa, COM(2020) 102 final.

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