Europäischer Mikrochip-Plan: Zu wenig und zu langsam!

Die Digitaltechnik beherrscht heute sämtliche Lebensbereiche. Bei fortschrittlichen Technologien ist die Verwendung von Halbleitern für den Betrieb entsprechender Geräte unabdingbar. Um die Teilhabe der europäischen Bevölkerung und Wirtschaft an einer digitalen Zukunft sicherzustellen, muss der Zugang zu entsprechender Technik und Produktionsmitteln sichergestellt werden. Im europäischen digitalen Raum wirkt die Abhängigkeit von ausländischen – insbesondere asiatischen – Märkten hemmend und birgt auch geostrategische Risiken.

Der anhaltende Halbleitermangel trifft besonders Unternehmen aus den Automobil-, Kommunikations- und Computerspielbranchen. Darüber hinaus handelt es sich um eine Schlüsselindustrie für weitere zukunftsweisende Technologien und Produkte. Zum aktuellen Zeitpunkt macht die Halbleiterherstellung in Europa nur etwa 10% des globalen Produktionswertes aus. Anders als bei anderen Industrien bleiben wir damit in dieser Branche weit hinter dem erwartbaren wirtschaftlichen Gewicht der EU zurück. Beim Design der Chips (circa 45% der Wertschöpfung) liegen die USA als Standort vorne. In den Bereichen Produktion (45%) und Zusammenbau und Test (10%) liegt der globale Haupt-Standort in Taiwan.1 Auch China baut seine Produktionskapazitäten derzeit massiv aus.

Aktuell sind sowohl der kurzfristige Halbleitermangel für die Fertigung wie auch die unterentwickelten Herstellungskapazitäten in Europa problematisch. Die EU-Kommission möchte darauf mit dem europäischen Mikrochip-Gesetz reagieren und ein umfassendes Halbleiter-Ökosystem in Europa schaffen. Auch aus dem Topf „Important Project of Common European Interest“ (IPCEI), aus welchem die Europäische Union strategische Förderprojekte speist, sollen Gelder fließen.2

Die Bemühungen der Kommission sind lobenswert, doch bleib fraglich ob tatsächlich ein Investitionsvolumen in ähnlicher Höhe wie das von den USA, welches zuletzt mit immerhin $50 Milliarden angekündigt wurde, erreicht werden kann.3 Innerhalb der EU ergeben sich bisher aus dem Corona Recovery Fund, dem IPCEI und nationalen Initiativen etwa €20 Milliarden an Fördermitteln.4

Auch die Geschwindigkeit der Umsetzung lässt zu wünschen übrig. Bis Fördermittel aus dem IPCEI den jeweiligen Industrien zur Verfügung stehen, vergingen in der Vergangenheit schon mehr als anderthalb Jahre.4 Die Förderung im Halbleiter-Bereich ist umfangreicher und involviert mehr Akteure als vorherige Projekte. Es müssen also noch längere Wartefristen einkalkuliert werden.


Wie, wann und wo genau das Geld der Steuerzahler eingesetzt werden soll ist insgesamt nach wie vor unklar.

Link zu meiner parlamentarischen Anfrage „Mangel an Mikrochips“ im Juli 2021:
https://www.europarl.europa.eu/doceo/document/E-9-2021-003522_DE.html

Quellen:
1: https://themarket.ch/analyse/chips-erobern-die-welt-ld.2622
2: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX%3A52021DC0118&qid=1636726672647
3: https://www.forbes.com/sites/georgecalhoun/2021/11/23/semiconductors–the-chips-act-why-it-is-what-it-is-part-1/
4: https://www.politico.eu/article/europe-microchips-semiconductor-technology-plan-does-not-add-up/